In meinem ersten Artikel Warum Vanlife nicht für jeden etwas ist habe ich bereits beschrieben, warum das Leben on the road nicht immer nur Freiheit und Abenteuer bedeutet – und für welchen Typ Mensch Vanlife schwierig sein kann.
In diesem Artikel teile ich die größten Nachteile vom Leben im Van, die mir erst während der Reise wirklich bewusst geworden sind. Ich kannte sie teilweise schon vorher – habe aber erst unterwegs verstanden, dass sie für mich echte Dealbreaker sind.
So sehr sogar, dass wir unser ursprünglich geplantes 14-monatiges Sabbatical nach sechs Monaten komplett umgeplant haben.
Wenig Platz, wenig Rückzug
Leben im Van heißt, sich auf engstem Raum zu organisieren. Das weiß man vorher – und trotzdem fühlt es sich unterwegs oft ganz anders an.
Ja, es ist schön, minimalistisch zu leben.
Ja, es ist gemütlich, zusammen auf wenigen Quadratmetern zu sein.
Und ja, draußen wartet theoretisch die ganze Welt.
Praktisch hat es für uns auf Dauer nicht funktioniert.
Warum?
- Es gibt keinen echten Rückzugsort. Allein sein ist kaum möglich.
- Konflikte müssen sofort geklärt werden – Abstand nehmen geht nicht.
- Es gibt keine wirkliche Privatsphäre im „Badezimmer“.
- Wenn eine Person länger schläft, steht die andere automatisch still.
- Für Mitbringsel, Erinnerungsstücke oder kleine Freuden fehlt schlicht der Platz.
Der letzte Punkt klingt banal – war für uns aber überraschend frustrierend. Wir lieben es, Dinge von Reisen mit nach Hause zu bringen. Im Van mussten wir das fast komplett aufgeben.
Wetterabhängigkeit
Ich weiß, es lohnt sich nicht, sich über das Wetter aufzuregen. Tue ich auch nicht (zumindest meistens).
Aber beim Leben im Van ist das Wetter kein Hintergrundrauschen – es bestimmt deinen Alltag.
Regen
Mehrere Regentage am Stück bedeuteten oft: drinnen bleiben. Nasse Kleidung, feuchte Luft, wenig Bewegung. Die Sachen wurden schlecht trocken, der Platz zum Aufhängen reichte irgendwann nicht mehr und wir haben uns deutlich weniger bewegt als sonst. Das ging mir mehr an die Substanz, als ich erwartet hätte.
Hitze
Mit Temperaturen über 26 Grad im Innenraum hatte ich im Camper große Probleme – vor allem nachts. Stickige Luft, kaum Abkühlung, und Türen offenlassen kam für mich aus Sicherheitsgründen nicht infrage. Ich erinnere mich an Tage, an denen ich einfach nur genervt war, weil ich ständig geschwitzt habe, ohne mich richtig frisch machen zu können.
Wir haben in Norwegen einen sehr heißen Sommer erlebt und hatten dort über mehrere Wochen täglich rund 30 Grad. Im Nachhinein bin ich unglaublich dankbar, dieses Land bei bestem Wetter erlebt zu haben. Gleichzeitig erinnere ich mich aber auch an Momente, in denen ich mich einfach nur noch nach Abkühlung gesehnt habe.
Ich glaube, das ist sehr typabhängig – ich finde Hitze übrigens auch in einer Wohnung wahnsinnig nervig 😊
Kälte
Den Winter haben wir an der Algarve und in Andalusien verbracht und trotzdem hatten wir teilweise Nächte mit vier Grad Innentemperatur. Nach mehreren Wochen wurde es einfach zermürbend, sich außerhalb der Bettdecke kaum aufhalten zu können, ohne zu frieren. Die Dieselheizung dauerhaft Tag und Nacht laufen zu lassen, kam für mich weder aus Umwelt- noch aus Lärmgründen infrage.
Wind
Starker Wind beeinflusste vor allem unsere Stellplatzwahl. Gegen den Wind zu stehen bedeutet, dass der Van permanent wackelt. In Belgien hatten wir eine ziemlich schlaflose Nacht, weil es so stark geschaukelt hat, dass mir zeitweise richtig schlecht wurde. Und irgendwie fühlt sich das auch bedrohlich an.
Wir haben schließlich die App Windfinder genutzt, um unsere Position möglichst windgeschützt auszurichten.
Was mir wichtig ist: Nicht das Wetter an sich war der Dealbreaker – sondern das Gefühl, nicht frei entscheiden zu können. Freiheit hatte sich für mich anders angefühlt.
Einsamkeit & soziale Isolation
Als wir uns unsere Vanreise vorgestellt haben, dachten wir an Begegnungen, Gespräche und inspirierende Menschen. In der Realität fühlte es sich jedoch oft überraschend einsam an.
Wir haben weder Hund noch Kind – zwei Dinge, von denen ich glaube, dass sie Gespräche oft erleichtern. Das allein ist es aber vermutlich nicht. Ich bin einfach kein Mensch, der leicht auf Fremde zugeht. Smalltalk fällt mir schwer, und jemanden einfach anzusprechen kostet mich Überwindung. So ehrlich muss ich sein.
Hinzu kam, dass es schwierig war, andere Vanlifer in unserem Alter zu treffen – zumindest an den Orten, an denen wir unterwegs waren. Wir wollten bewusst nicht wildcampen, sondern nur dort stehen, wo es erlaubt war oder auf Campingplätzen. Genau dort haben wir allerdings eher wenige junge Menschen getroffen.

Fehlende Routinen
Ein Punkt, der mich selbst überrascht hat: die fehlenden Routinen.
Ich dachte immer, genau das würde ich am Leben im Van lieben – jeden Tag neu, keine festen Abläufe. Nach einigen Wochen habe ich mir jedoch plötzlich Struktur gewünscht. Kleine Rituale. Einen Rhythmus.
Doch Routinen im Van sind stark von äußeren Umständen abhängig: vom Wetter, vom Stellplatz, von der Umgebung. Mal geht Yoga draußen, mal nicht. Mal gibt es Ruhe, mal Lärm. Beständigkeit entsteht kaum – und genau das hat mir irgendwann gefehlt.
Viele Wohnmobil-Verbote
Ich wusste vor der Reise, dass es viele Wohnmobil-Verbote gibt. Wie es sich aber anfühlt, ständig das Gefühl zu haben, nicht willkommen zu sein, habe ich erst unterwegs wirklich verstanden.
Wir waren mehr als einmal in der Situation, dass wir eine Unternehmung absagen mussten, weil der einzige Parkplatz in der Nähe für Wohnmobile nicht erlaubt war – obwohl wir dort lediglich wie ein PKW parken wollten, nicht übernachten.
Was mich daran besonders geärgert hat: Diese Verbote existieren meist, weil Regeln von anderen missachtet wurden. Und trotzdem trifft es am Ende alle.
Fazit
Ein Leben im Van kann wunderschön sein.
Wir waren viel draußen, haben unglaubliche Orte gesehen, Sonnenuntergänge erlebt und viele Momente gesammelt, die ich nie vergessen werde.
Aber das hat halt nicht gereicht.
Bei uns haben die Nachteile einfach schwerer gewogen, weshalb wir uns nach 6 Monaten dazu entschlossen haben unser Sabbatical umzuplanen: Kein Vanlife mehr, dafür kommen wir früher zurück und bereisen unser Sehnsuchtsland Schottland mit Mietwagen und wohnen in Ferienwohnungen. Diese Entscheidung hat sich so gut angefühlt!

